Was heißt eigentlich ... ?

ALKALISCHE RESERVE
In holzschliffhaltigem und saurem Papier und durch Umwelteinwirkung entstehen Säuren, welche die Cellulose im Papier abbauen und dieses schneller altern lassen. Um dem entgegenzuwirken, fordert die DIN ISO 16245 für Schutzverpackungen eine minimale alkalische Reserve in Höhe von mind. 20 Gramm Calciumkarbonat (CaCO3) je Kilogramm Papier (entsprechend 2 Ma-%).

AUSBLUTUNG
Der Begriff des Ausblutens beschreibt das Verlaufen und Abfärben von Farbstoffen bei Kontakt mit Wasser oder sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Nach DIN ISO 16245 dürfen von Verpackungsmaterialien im Archivbereich nach bis zu 20-minütiger Befeuchtung und Beschwerung keine Farbstoffe, optischen Aufheller oder Pigmente auf ein Filterpapier übergehen. Optische Aufheller dürfen zwar theoretisch enthalten sein, neigen aber zum Ausbluten und sind aufgrund dieser Eigenschaft von der Verwendung in Schutzverpackungen ausgeschlossen.

COBB-WERT
Schutzverpackungen müssen hoch wasser-resistent sein. Der Cobb-Wert dient als Maß für die Wasseraufnahmekapazität von Papieren und Pappen. Je geringer der Cobb-Wert, desto weniger Wasser nimmt das Material auf bzw. desto wasserabweisender ist es – und umso stabiler bleibt die Verpackung auch bei hoher Luftfeuchtigkeit. Die DIN ISO 16245 erlaubt für die Deckschicht von Schutzverpackungen eine maximale Wasseraufnahme von 25g/m2 innerhalb von 60 Sekunden. Schachteln, die diesen Grenzwert erfüllen, bleiben auch bei erhöhter Luftfeuchtigkeit sehr stabil.

KAPPA-ZAHL UND LIGNIN
Seit der Umstellung der Papierproduktion auf holzbasiertes Ausgangsmaterial im 19. Jahrhundert ist Cellulose der wichtigste Rohstoff zur Papierherstellung. Sie bildet mit einem Anteil von 40 bis 50 Prozent je nach Holzart den Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden. Lignin ist die in die Zellwände eingelagerte Kittsubstanz des Holzes, die bei der Gewinnung von Holzschliff aus dem lignin- und cellulose-reichen Holz erhalten bleibt. Diese Substanz bildet während ihrer Alterung organische Säuren – die den Celluloseabbau beschleunigen, der Papiere brüchig werden lässt – und färbende Verbindungen, welche die typische Vergilbung holzhaltiger Papiere verursachen. Zellstoff – der Hauptbestandteil hochwertiger Papiere – besteht hauptsächlich aus Cellulose und basiert auf Holzschliff, aus dem chemisch der Ligninanteil herausgelöst wird. Die Kappa-Zahl ist ein Maß für den Höchstwert dieser unerwünschten oxidierbaren Substanz und gleichbedeutend für den Anteil an Lignin im Zellstoff. Je höher also der Zellstoff-Anteil, desto weniger Holz(-Schliff) und damit Lignin ist im Papier enthalten, und umso niedriger ist die Kappa-Zahl. Die DIN ISO 16245 definiert auf Basis der DIN ISO 9706 eine maximale Kappa-Zahl von fünf, was einem Lignin-Gehalt von 0,6 Prozent entspricht. Der niedrige Grenzwert ist nur durch die Verwendung von Frischfasern aus reinem Zellstoff und unter Verzicht auf Recyclingfasern unbekannter Zusammensetzung erreichbar.

PH-WERT
Der pH-Wert ist ein Maß für den sauren oder alkalischen Charakter einer wässrigen Lösung beziehungsweise die Wasserstoffionenkonzentration in der Lösung. In einer sauren Lösung ist die Wasserstoffionenkonzentration größer als 1x10-7 mol; ist sie kleiner, so ist die Lösung alkalisch. Die pH-Skala reicht von 0 (stark sauer) über 7 (neutral) bis 14 (stark alkalisch). Für Schutzverpackungen schreibt die DIN ISO 16245 einen leicht basischen pH-Wert zwischen 7,5 und 10 vor.

SÄUREFREI
Wären Schutzverpackungen aus säurehaltigem Material, dann könnte die Säure in die eingelegten Schriften und Drucke übergehen und diese schädigen. Im schlimmsten Fall würden auch Papiere sauer werden, die selbst keine säurebildenden Bestandteile enthalten und deshalb eigentlich nicht gefährdet sind. Schutzverpackungen nach DIN 16245 gelten als säurefrei, wenn sie einen pH-Wert größer als 7 aufweisen und somit der Anteil an Basen überwiegt. Der Begriff säurefrei wird jedoch heute als Synonym für alterungsbeständig nach ISO 9706 verwendet, was nicht nur für einen alkalischen pH-Wert, sondern auch für eine alkalische Reserve und Oxidationsbeständigkeit steht. Alterungsbeständige Papiere nach ISO 9706 sind sowohl frei von Säuren als auch von Substanzen, die zu einer Säurebildung führen könnten – wie zum Beispiel freien Chloriden. Ebenfalls sind eine saure Alaun-Leimung sowie die Verwendung von holzhaltigen Materialien oder Recyclingpapieren – deren Zusammensetzung unbekannt ist – bei der Papierherstellung ausgeschlossen.

STABILITÄT/KILOPASCAL
Die DIN ISO 16245 fordert extrem stabile Schutzverpackungen. Denn diese werden häufig übereinander gestapelt, sollen unter der Last weiterer Schachteln nicht zusammenbrechen und eine Verformung von Schriften und Dokumenten durch mechanische Belastung ausschließen. Darum muss eine Schachtel umso mehr Belastung aushalten, je größer ihre Grundfläche ist. Die Stabilität von Schachteln wird in einem sogenannten Stapelstauchtest bestimmt. Dabei wird eine Schachtel zwischen zwei Platten eingespannt und so lang einer steigenden Druckbelastung ausgesetzt, bis sie dem Druck durch Verformung nachgibt. Der in der DIN ISO 16245 geforderte Wert extrem stabil bedeutet, dass die Schachteln im Test mindestens einem Druck von 20 Kilopascal standhalten müssen. Ein Pascal ist der Druck, den eine Kraft von einem Newton – die Gewichtskraft, die auf einen Körper mit der Masse 102 Gramm wirkt – auf eine Fläche von einem Quadratmeter ausübt. Somit entspricht ein Kilopascal einem Gewicht von 100 Kilogramm je Quadratmeter Fläche. Die in der DIN ISO 16245 geforderte Stabilität von mindestens 20 Kilopascal steht für eine Belastung von 2.000 Kilogramm je Quadratmeter Fläche beziehungsweise einem Druck von 20 Kilonewton. Eine bei Archivkartons typische Fläche von 320 x 245 Millimeter (entspricht ca. DIN A4) muss darum im Stapelstauchtest einer Masse von etwa 160 Kilogramm standhalten.

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