Tintenfraßbehandlung

Von der Antike bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit Eisengallustinte geschrieben – einem Gemisch aus Eisensalzen (Eisen(II)sulfat) und Galläpfelextrakten. Eisengallustinte ist bei der Herstellung farblos. Ihre charakteristische dunkle Farbe entsteht erst durch eine Reaktion der Eisenionen mit Sauerstoff.

Bei dieser Herstellung bildet die Tinte Schwefelsäure. Zudem wurden die Eisensalze im Überschuss dazugegeben, da sie bei der Tintenherstellung ein billiger Rohstoff waren. Diese Inhaltsstoffe greifen das Papier an. Es verliert seine Festigkeit und wird brüchig. Die Eisengallustinte frisst sich regelrecht durch das Papier und hinterlässt durchlöcherte Blätter.


Im ZFB bieten wir Ihnen zwei unterschiedliche Methoden, um den oxidativen Celluloseabbau  durch Tintenfraß zu stoppen. Neben der  bewährten wässrigen Phytatbehandlung steht Ihnen bei uns eine in einem internationalen Forschungsprojekt entwickelte nichtwässrige  Tintenfraßbehandlung zur Verfügung. Die  überschüssigen Eisensalze der Tinte werden entfernt oder chemisch deaktiviert. Dabei werden sowohl die Säuren in der Tinte als auch die Säuren im Papier neutralisiert.

Fehlen bereits einzelne Teile des Blattes, sind  weitere restauratorische Maßnahmen nötig. Bei leicht geschädigtem Papier festigen wir das gesamte Blatt oder die geschädigten Bereiche mit einem hauchdünnen transparenten Japanpapier. Stark geschädigtes Papier  stabilisieren wir durch Anfaserung und  Übervliesung des Blattes. Wahlweise betten wir  stark geschädigtes Papier in Japanpapier ein.